Interview: Jan Christian Schinke

Vergangene Woche traf sich der FSR mit Jan Christian Schinke, dem Studienberater Ausland und stellte ihm ein Fragen rund ums Thema Studieren im Ausland.

 

1) Was für Austauschprogramme gibt es grundsätzlich an unserer Fakultät?

Grundsätzlich gibt es 3 „Säulen“. Die erste ist die die europäische Säule, also das ERASMUS-Programm. Dort existieren zwei Programme für die VWL und die BWL, man ist als Studierender aber nicht auf seinen Studiengang festgelegt, sondern kann auch über das andere Programm ins Ausland gehen. Die Auswahl muss natürlich fachlich passen. Die zweite Säule symbolisiert durch eigene Verträge geregelte Programme der Fakultät, hier werden u. a. Unis in den USA, Südafrika (Stellenbosch), Indonesien, Australien, Russland, kurz: Über Europa hinaus angeboten. Die dritte Säule stellt Programme dar, die uniweit von Studium International angeboten und administriert werden. Diese sind für Studierende aller Fachrichtungen offen. Die WiWi Fakultät übernimmt in dem Fall die Evaluierung der Bewerber und später die fachliche Betreuung und Anerkennung. 

 

2) Für was bist Du zuständig und was fällt in den Aufgabenbereich der Lehrstühle?

Aktuell bin ich noch „Studienberater Ausland“, demnächst besetze ich die neu geschaffene Stelle „Koordinator für Internationales und Auslandsstudienberater“, in deren Zuständigkeitsbereich dann auch das internationale Marketing fällt. Das heißt: Bestehende Partnerschaften vertiefen und neue Partnerschaften aufbauen, da Programme natürlich auch immer in beide Richtungen laufen und Partnerschaften gepflegt werden müssen. Die Auslandsstudienberatung und Anerkennung wird dann voraussichtlich eine weitere Person verstärkt. Die Lehrstühle wiederum haben keinen direkten Einfluss auf den Prozess, alles läuft zentralisiert im Service Center Auslandsstudienberatung ab. Die Professoren entscheiden aber nachher über die Anerkennung. Außerdem können Lehrstühle über ihre Kontakte zu ausländischen Kollegen natürlich auch gewährleisten, dass Programme überhaupt zustande kommen und Partnerschaften aufrechterhalten werden. So entsteht neben dem Forschungsaustausch auch der Studienaustausch. Ihre wichtigste Aufgabe ist also, darauf zu achten, dass Programme aktiv und in alle Richtungen laufen. 

 

3) Welches ist das häufigste Problem, wenn Studierende einen Auslandsaufenthalt planen wollen?

Es gibt nicht DAS typische Problem, es ist eher so, dass verschiedene Länder mit speziellen Herausforderungen aufwarten, mit denen verschiedene Studierende wiederum unterschiedlich umgehen können. Wer gut vorbereitet ist, plant wachsam seinen Aufenthalt und minimiert somit das spätere Risiko, enttäuscht zu werden. Stolpersteine können natürlich immer und überall im Weg liegen. Wichtig ist, dass man Selbstvertrauen hat und zunächst einmal seinen eigenen Studiengang sehr gut kennt. Wer sich mit der Göttinger Studienordnung gut auskennt, weiß besser, was man im Ausland machen kann und was nicht. Wenn die Studierenden also wissen, welches Gebiet man hier inhaltlich schon belegt hat und welche man noch belegen muss, kann man besser Überschneidungen und somit Schwierigkeiten bei der Anrechnung vermeiden. Das sind Probleme, die eigentlich nicht sein müssten. Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass manche Studierende schnell panisch werden, wenn die vorherige Modulplanung nicht 1:1 mit dem vor Ort Angebotenen zusammenpasst. Weil unsere Studiengänge sehr offen gestaltet sind sind ist es wichtig, dass Studierende darauf vertrauen, dass sie Module belegen, die fachlich zum Studiengang passen und sachlich verwandt sind. Dann kann auch fast immer die Anerkennung durchgeführt werden. Es kommt dabei darauf an, immer in Kontakt mit uns zu bleiben, bzw. diesen rechtzeitig aufzunehmen, um Unsicherheiten zu klären. 

 

4) Wo liegt das größte Verbesserungspotential im ganzen Prozess?

Tatsächlich ist es aus meiner Sicht die Vorbereitung. Ich möchte nicht alles auf die Studierenden abwälzen, aber wir stellen vorab bereits eine ganze Reihe von Informationen zur Verfügung. Wer sich damit vorbereitet und sich im Klaren ist, was die eigenen Erwartungen an den Auslandsaufenthalt sind, kann dann auch viel klarer formulieren, was noch fehlt. Wir können die Studierenden auf dieser Basis dann unterstützen. Das geht nur, wenn allen klar ist, was eigentlich die Frage ist. Wir bekommen oft diffuse Fragen, bei denen das nicht deutlich wird. Der Einstieg in das Thema Auslandssemester fällt dann sehr schwer, wenn wir nur sehr vereinfacht auf ein Land angesprochen werden. Es ist uns also wichtig, dass vor allem gezielte Fragen gestellt werden. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, zu wissen, was die eigenen Wünsche sind. Man kann unser Angebot mit einem Supermarkt vergleichen: Wir haben viele verschiedene Zutaten, die der Studierende sich zusammenstellen kann, je nachdem was man möchte, um z. B. einen Kuchen zu backen. So ist es auch bei uns: Wir bieten die Bausteine an, also dass man zunächst eine Partneruniversität auswählt, dann ein Learning Agreement erstellt und später die Anerkennungen -so müssen die Studierenden dann die Teile zusammensetzen. In diesem Prozess können sie natürlich Hilfe bekommen, dürfen aber nicht erwarten, dass man bei uns fertige Lösungen präsentiert bekommt, sondern diese vielmehr gemeinsam erarbeitet. Jede Anerkennung kann nur so gut bearbeitet werden, wie auch die Informationen vorliegen – falls etwas fehlt, muss man gucken, was genau fehlt und wie man es beheben kann. Hier ist mir offene Kommunikation mit den Studierenden wichtig. Ich hoffe dass da noch stärker die Angstschwellen abgebaut werden. Manche kommen zu mir mit der Sorge, schon alles komplett fertig ausgearbeitet haben zu müssen. Das ist auf keinen Fall so! Wichtig ist mir, dass jeder ehrlich sagt: Wie ist der momentane Stand und welche Lücken gibt es noch? Dann können wir gemeinsam die Herausforderung angehen, diese Probleme zu lösen. 

 

5) Was würdest Du dir von zukünftigen Interessenten wünschen und ihnen mit auf den Weg geben?

Jeder Studierende sollte sich darüber im Klaren sein, was er sich unter seinem Auslandsaufenthalt vorstellt. Soll heißen: Möchte der Studierende eine neue Sprache lernen und eine Kultur entdecken oder möchte derjenige Module in seiner jeweiligen Vertiefung belegen? Das sollte sich jeder überlegen bevor er zu mir kommt. Manch einer hat eine klare Vorstellung dass er später in einer speziellen Institution arbeiten möchte. Ein gutes Gespräch sollte so sein, dass ich möglichst wenig rede und der Studierende soll in diesem Gespräch herausfinden was er möchte und ich gebe die entscheidenden Impulse um ihn in die richtige Richtung zu lenken.

 

6) Fühlst Du dich manchmal von Studierenden ungerecht behandelt?

Das kann ich so nicht sagen. Studierende, die sich beschweren haben meist einen Anlass. Es ist immer so, dass dies keinen persönlichen Angriff auf mich darstellen soll. Die Studierenden überschätzen schlichtweg meine Entscheidungsbefugnisse. Ich bin ein Berater, eine Art Kompass, der versucht Studierende zu begleiten und zu beraten. Was viele nicht wissen, ist dass ich selbst keine Anerkennungen durchführe. Ich sorge dafür, dass die Unterlagen vollständig sind und die Professoren auf einen Blick alles vorliegen haben. Ich entscheide also nichts willkürlich, sondern agiere im Rahmen der notwendigen Anerkennungsprozesse. 

 

7) Wie schätzt du die Chancen ein, dass sich die zukünftigen Anerkennungsprozesse an unserer Universität verbessern?

Ich sehe dort keine Probleme, muss ich gestehen. Es fehlt meistens an Informationsaufnahme bei den Studierenden. Viele meinen, wir müssen Module aus dem Ausland 1:1 anerkennen und in unseren Modulkatalog aufnehmen – dem ist aber nicht so. Wir arbeiten momentan an einer Art Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Thema Anerkennung zu jedem unserer wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge. Außerdem wäre es klasse, wenn Studierende die im Ausland waren, den Prozess für die nachfolgende Generation durch Wissensweitergabe und Unterstützung erheblich erleichtern würden.

 

 

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